1883 bis zum 2. Weltkrieg

Die Wasserwacht von 1883 bis zum 2. Weltkrieg

Seit seiner Gründung im Jahre 1863 ist das weltweit anerkannte und rund um den Globus tätige Rote Kreuz intensiv bemüht, Humanität zu predigen, zu pflegen und zu praktizieren. Seit 132 Jahren ist das rote Kreuz auf weißem Feld Symbol für Schutz, Sicherheit und Hilfe, Merkzeichen für Verwundetenpflege, Kriegsgefangenenfürsorge, soziales Engagement, Katastrophenschutz und Erste Hilfe.

Daß das rote Kreuz in 35 Ländern der Erde auch Kennzeichen für hunderttausende von Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmern ist und der Wasserrettungsdienst im Deutschen Roten Kreuz eine bereits hundertjährige Tradition darstellt sowie eine beachtenswerte Geschichte besitzt, ist weniger bekannt. 
Schon vor der letzten Jahrhundertwende nahmen Rot-Kreuz-Gliederungen in ganz Europa den Kampf gegen den Ertrinkungstod auf. 

Anlaß der Gründung des internationalen Komitees des Roten Kreuzes durch Henry Dunant und seine Gesinnungsfreunde war bekanntlich die Schlacht von Solferino mit ihren grauenhaften Folgen für etwa 25.000 hilflose Verwundete. Die ursprüngliche Aufgabenstellung der nationalen Rot-Kreuz-Gesellschaften war denn auch primär die Bergung, Versorgung und Pflege sowie der Schutz verwundeter Soldaten nach kriegerischen Auseinandersetzungen. Die ab 1863 entstehenden Männervereine und Sanitätskolonnen des Roten Kreuzes waren deshalb zunächst ziemlich deutlich militärisch motiviert und organisiert. Weniger stark ausgeprägt war diese Einstellung naturgemäß bei den zur Unterstützung und Ergänzung der RK-Männervereine und RK-Sanitätskolonnen gegründeten Frauenvereinen des Roten Kreuzes, welche schon frühzeitig, d.h. in den 70er- und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, nach Wirkungsmöglichkeiten und sozialen Aufgaben in Friedenszeiten suchten.
Die Chance zum gewünschten, friedlichen Engagement für ihre Mitmenschen fanden manche RK-Frauenvereine unter anderem in der persönlichen und materiellen Unterstützung von Unglücks- und Katastrophenopfern. Einen ziemlich breiten Raum nahm dabei die materielle Hilfe für die von Überschwemmungen obdachlos gewordenen oder geschädigten Familien im Bereich der großen deutschen Flüsse sowie der Küstenniederungen ein.

In Regensburg erster Hochwassereinsatz des Roten Kreuzes

Wann und wo die Einsatzbereitschaft der freiwilligen Sanitätskolonnen des Roten Kreuzes im Sinne der Hochwasserwehr und des Wasserrettungsdienstes in Deutschland erstmals im Ernstfall erprobt wurde, ist bisher leider noch nicht endgültig erforscht. 
Aus der bayerischen Bezirkshauptstadt Regensburg wird jedoch berichtet, daß das dort 1866 bzw. 1871 gegründete Rote Kreuz schon 1874 zwei Wasserrettungstrupps aufstellte, um bei den fast jährlichen und oft mehrmaligen Überschwemmungen und Eisstaus der Flüsse Donau, Regen, Naab und Laaber Hilfe und Rettung bringen zu können.
Ab 1875 übten diese Wasserwehren Notstege zu bauen, Hochwasserdämme herzustellen und zu sichern, Menschen und Tiere in abgeschnittenen Ortsteilen oder Gehöften mittels Zillen, Plätten, Kähnen und Fähren zu versorgen, zu retten und zu bergen.
Der erste Einsatz der Regensburger Rotkreuz-Wasserwehren erfolgte im Februar 1883 bei einem mittleren Donauhochwasser. 

Vom "freiwilligen Krankenträgerzug der Kriegervereine in Stadt- und Landkreis Elbing." ist überliefert, daß er entsprechend dem "Musterstatut für die Rothen Kreuz-Vereine" schon kurz nach seinem Aufbau in den frühen 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine "Wasserwehr-Patrouille" aufgestellt und ausgebildet habe, welche während der jährlichen Nogat-Überschwemmungen und insbesondere beim Katastrophenhochwasser im Frühjahr 1888 "mit Erfolg bei dem Rettungs-, Sicherheits- und Verpflegungsdienste in dem Überschwemmungsgebiet verwandt wurde".
Die "Freiwillige Wasserwehr Elbing", seinerzeit bereits mit "werthvollen Pionier-Stahlpontons nebst completer Wasserwehr-Ausrüstung" versehen, bewährte sich bei den jährlichen Eisgangs- und Überschwemmungsgefahren und absolvierte unter der Leitung des Landwehr-Stabsarztes Dr. G. Hantel regelmäßig großangelegte Wasserwehrübungen.

Das Elbinger Beispiel fand rasch Nachahmer. Zahlreiche Rot-Kreuz-Vereine an den Küsten von Nord- und Ostsee, in Schlesien und an den großen Strömen Deutschlands nannten sich alsbald "Sanitäts- und Wasserwehrkolonnen", übten im Sinne des Elbinger Vorbildes, beschafften passende Rettungsgeräte, bauten Rhein- und Donaudampfer zu "Sanitätsschiffen" um und konstruierten aus Elbkähnen Rettungsboote. 

Bei zahlreichen kleinen und großen Überschwemmungen aber auch Hochwasserkatastrophen wurden fortan Rot-Kreuz-Sanitäter zu Hilfe gerufen, ihre Kenntnisse und Geräte zum Schutz und zur Rettung von Wassernot bedrohter Bevölkerungsgruppen eingesetzt. Nebenher wurden Marinesanitätsdienste aufgebaut, Lazarettschiffe beschafft, ausgerüstet und in vielen Übungen auf Elbe, Oder, Rhein, Weser und Main beispielsweise erprobt. Hauptaufgabe des Roten Kreuzes war es schließlich noch immer, im Falle eines Krieges den verwundeten Soldaten rasche und qualifizierte Hilfe zu leisten.

Sanitätsverein Kiel widmet sich der Wiederbelebung Ertrunkener

Der Wunsch nach weitergehender Humanität jedoch war nicht zu übersehen und aufzuhalten. Viele Rot-Kreuz-Kolonnen beschäftigten sich so schon lange vor der Jahrhundertwende mit der gesundheitlichen Bedeutung des Badens und des Schwimmens, machten sich Gedanken um die Bekämpfung des Ertrinkungstodes und bereiteten so den Boden für den modernen "Wasserrettungsdienst des Roten Kreuzes in Deutschland".

So berichtet die Rot-Kreuz-Zeitschrift "Kriegerheil" schon in der Ausgabe Nr. 10/1887 von Aufklärungs- und Ausbildungsbestrebungen des Sanitätsvereins Kiel zur Rettung, Bergung und Wiederbelebung von Ertrunkenen. Wohl beeinflußt vom Dänischen Roten Kreuz wurden die seinerzeit bekannten Rettungsregeln und Wiederbelebungsmethoden auf Zinkblechtafeln gedruckt und an geeigneten Stellen ausgehängt sowie benachbarten RK-Vereinen zur Benutzung und Vervielfältigung überlassen.

Die offensichtlich von Kiel ausgehende Aufklärungsarbeit scheint auch bald Erfolge gezeigt zu haben. Im Tätigkeitsbericht des württembergischen Sanitätsvereins des Roten Kreuzes für die Jahre 1888 bis 1890 wird jedenfalls berichtet, daß dortige Ausbildungskurse bereits Maßnahmen zur Bekämpfung des Ertrinkungstodes sowie zur Behandlung und Wiederbelebung Ertrunkener umfaßten.

Wie weit diese Vorbeugungsmaßnahmen des Roten Kreuzes gegen den nassen Tod Erfolg hatten, ist bisher leider auch noch nicht ausreichend erforscht. Es darf jedoch ohne Skrupel unterstellt werden, daß Ende des vergangenen Jahrhunderts schon viele Sanitätskolonnen in Deutschland Wasserrettungsdienste leisteten und deshalb von gelungenen Wasserrettungen und Wiederbelebungsmaßnahmen berichten konnten.
So erwähnt die "freiwillige Sanitätskolonne des RK-Männervereins zu Straßburg" im Jahresbericht für 1900 zwei erfolgreiche Rettungen aus der Gefahr des Ertrinkens. 
Unabhängig davon aber konnte es vor der letzten Jahrhundertwende den umfassenden Rettungsdienst im heutigen Sinne nicht geben, weil es auch keinen Wassersport in unserem Sinne gab. Segeln war nur wenigen reichen Mitbürgern vorbehalten. Schwimmen und Baden waren aus der Mode gekommen. Dabei ist das Schwimmen eine uralte Brauchkunst der Menschen.

Im 19. Jahrhundert erinnert man sich wieder der Schwimmkunst, der gesundheitlichen Bedeutung, aber auch des Freizeitwerts des Badens und des Schwimmens. Vater der modernen Schwimmbewegung ist der Pädagoge Johann Christoph Friedrich Guts Muths aus Quedlinburg. Sein 1798 in Weimar erschienenes "Kleines Lehrbuch der Schwimmkunst zum Selbstunterrichte" war ein flammender Aufruf, das Schwimmen als Hauptstück der Erziehung anzuerkennen und mit ihm dem Ertrinkungstod vorzubeugen. 
Der Aufruf hatte bedingten Erfolg, fand bald Unterstützung und Befürwortung und führte ab 1811 zum Bau von Militärschwimmschulen und Freibädern in ganz Deutschland. Dennoch dauerte es noch Jahrzehnte, bis Baden und Schwimmen zur nennenswerten Freizeitbeschäftigung der Deutschen geworden war, an See- und Flußufern auch Freibadeplätze eingerichtet oder einfach von den Schwimmern in Besitz genommen wurden.

Das Freibaden wiederum führte leider schnell zur Steigerung der ohnehin erschreckend hohen Zahlen von Ertrinkungsfällen in Deutschland. Rund 5.000 Ertrinkungstote im Jahr mußten zwangsläufig zu Überlegungen und Aktivitäten im Sinne des organisierten Wasserrettungsdienstes führen. 
Im Zuge dieser Überlegungen etablierten die Rot-Kreuz-Männer ihre ersten Wasserrettungsstationen an den großen Gewässern Deutschlands.

1896 erstmals Rettungsschwimmer an den Voralpenseen

Zwar waren es noch keine mit Motorrettungsbooten, Krankentransportfahrzeugen, Tauch- und Wiederbelebungsgeräten ausgestatteten Rettungswachen wie heute, die im Sommer 1896 erstmals am Staffelsee, dem Ammersee, dem Chiemsee und dem Bodensee in Bayern bzw. in Württemberg etabliert wurden; aber es war immerhin ein Anfang. Es wurden nachahmenswerte Beispiele geschaffen, Beweise dafür erbracht, daß der Ertrinkungstod kein unabwendbares Schicksal zu sein braucht, nicht zwangsläufig und immer zum Schwimmen und Wassersport gehört.
Nachahmer fanden die bayerisch-württembergischen Rettungsschwimmer offensichtlich in erster Linie in Berlin.
Hier gelang es Ernst Hartung, einem begeisterten Wassersportler, im Jahre 1899 die "Rettungsgesellschaft der Wassersportvereine von Berlin und Umgebung" zu gründen, mit deren Hilfe wenige Jahre später die "Rettungsgesellschaft Spandau und Umgebung" ins Leben gerufen wurde. Die erste Rettungsstation stand auf der Rahndorfer Landzunge Müggelhort und verfügte über ein Vierer-Ruderrettungsboot mit Steuermann. 1905 kam dazu noch ein kleiner, mit Kohlefeuerung fahrender Rettungsdampfer. 1908 wurde der Rettungsdienst am Wannsee aufgenommen. 
Die erwähnten Rettungsgesellschaften arbeiteten im übrigen eng mit den örtlichen Männervereinen des Roten Kreuzes zusammen und verbreiteten die Idee des organisierten Wasserrettungsdienstes im norddeutschen Raum. Auf ihre und des Roten Kreuzes Aktivitäten geht es sicher zurück, daß mit Unterstützung des preußischen Ministeriums für Medizinalangelegenheiten am 17.2.1906 die "Zentralstelle für das Rettungswesen an Binnen- und Küstengewässern" gegründet werden konnte. Die satzungsgemäße Aufgabe der Zentralstelle für das Rettungswesen an Binnen- und Küstengewässern war es, im Einvernehmen mit Behörden, Vereinen und Privatpersonen die bestehenden Einrichtungen zur Rettung Ertrinkender und zur Rettung aus Wassernot unter Wahrung ihrer Selbständigkeit zu unterstützen. Die Mitgliedsverbände sollten die Bildung neuer Einrichtungen anregen oder solche selbst ins Leben rufen.

Die personell sehr starke "Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger vom Roten Kreuz" besetzte dann auch ab Juni 1906 an allen Sonntagen auf der Plattform des Kaiser-Wilhelm-Turmes eine Wache zur Sicherung des dortigen Badebetriebes. Weitere Rettungsstationen und -posten folgten, zunächst am Schildhorn, dann auch bei Pichelswerder und Papenberge. Und schon im Jahre 1907 vermerkt der Jahresbericht der Sanitätskolonnen des Roten Kreuzes für die Provinz Brandenburg die erfolgreiche Rettung von vier Ertrinkenden.


Zwölf Sanitätskolonnen - 23 Wasserrettungsstationen

Mit dem Aufbau der ersten Wasserrettungsstationen des Roten Kreuzes an den Großberliner Gewässern um die letzte Jahrhundertwende begann auch eine breite Werbung für das Rettungsschwimmen und eine umfangreiche Ausbildungsarbeit.
Der Wasserrettungsdienst des DRK Berlin bzw. der Provinzialvereine des Roten Kreuzes, wie das damals hieß, konnte so mit der Zunahme des Badebetriebs und des Wassersports wachsen. Der große Wachstumsschub kam allerdings erst nach dem ersten Weltkrieg. Waren es zunächst nur die vier Sanitätskolonnen Nikolassee/Wannsee, Schöneberg, Stahnsdorf und "Genossenschaft Berlin-West", die auf dem Wannsee und den anstoßenden Havelgewässern für Sicherheit von Badenden und Wassersportlern sorgten und sechs Rettungsstellen unterhielten, kamen im Laufe der Jahre acht weitere Rotkreuz-Gliederungen hinzu. Die Überwachung des Badebetriebs erfolgte zunächst mit Ruderbooten und geliehenen Motorbooten. 

Schon 1923 konnte die freiwillige Sanitätskolonne Nikolassee/Wannsee ein eigenes Rettungsboot in Dienst stellen. 1927 und 1929 erfolgte die Beschaffung von zwei weiteren Motorrettungsbooten und 1930 stellte die Kolonne Grunewald ein viertes Boot in Dienst und besetzte die Wasserrettungsstation "Großes Fenster".

Beim Ausbruch des zweiten Weltkrieges betrieb das Rote Kreuz in Berlin feste Wasserrettungs- und Erste-Hilfe-Stationen am Wannseehafen Beelitzhof, beim Haveleck, am Breitenhorn, am Großen Fenster, bei Pichelsdorfer Gmünd, am Saatwinkel sowie beim Strandbad Tegel. Den Stationen waren acht Motorrettungsboote zugeordnet und außerdem 16 fliegende Wachen. Bis zu 200 "Samariter in der Badehose", stellten sich freiwillig und ehrenamtlich in den Dienst der guten Sache, bewahrten zwischen den beiden Weltkriegen hunderten von Berlinern das Leben. Infolge mangelhafter Aufzeichnungen und verloren gegangener Unterlagen kann ein genauer Leistungsbeweis leider nicht mehr erbracht werden. Es darf jedoch ohne Hemmungen behauptet werden, daß das Rote Kreuz in Berlin und Umgebung schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen optimalen Wasserrettungsdienst anbot und für größtmögliche Sicherheit an und auf dem Wasser sorgte. Die folgenden (unvollständigen und wahrscheinlich nach oben zu korrigierenden) Zahlen beweisen es:

Erste Hilfe-Leistungen:
1922192419271929193019321934
1556494501496350049377569

Rettungen, Hilfeleistungen
19221924192719291930193219341939
159408161132606192
Bootsbergungen im Wasser:
19221924192719291930
16137110183259

Wasserrettungsdienst in Satzung verankert

Ähnlich wie im Großraum Berlin verliefen Aufbau und Entwicklung des Rot-Kreuz-Hochwasserschutz- und- Wasserrettungsdienstes auch an den Küsten von Nord- und Ostsee, an den großen Strömen Deutschlands sowie an den Voralpenseen. Intensiv bemühte sich das Rote Kreuz um den Wasserrettungsdienst und schon im Jahre 1908, auf der ersten Tagung der Deutschen Rot-Kreuz-Landesverbände in Nürnberg, wird der Einsatz der Hilfsorganisation und ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter bei Hochwassern, Wassernotständen und Wasserunfällen als möglichst überall durchzuführende, echte Rot-Kreuz-Aufgabe bezeichnet.

Gleiches gilt für den ersten internationalen Kongreß des Roten Kreuzes für das Rettungswesen, der ebenfalls im Jahre 1908 in Frankfurt/Main stattfand.

Die Beschlüsse der genannten Konferenzen veranlaßten u.a. den preußischen Landesverein des Roten Kreuzes am 27.2.1909, alle "RK-Provinzialvereine" zur Gründung von Wasserwehren aufzufordern, die Bildung von Wasserrettungseinheiten anzuregen. Anlaß war die Häufung von Überschwemmungsfällen im November 1908 in der Altmark, bei denen sich die Männer der Sanitätskolonnen Osterburg und Seehausen als "Wasserwächter" betätigten.

Auch im Süden Deutschlands kam es zu jener Zeit zu großflächigen Überschwemmungen. Im Februar 1909 war deshalb die Sanitätskolonne Nürnberg im Hochwassereinsatz. Ein Jahr später, in der zweiten Hälfte des Juni 1910, mußte die Sanitätskolonne in Augsburg mit allen verfügbaren Kräften Wasserwehrdienste leisten beim Bruch des Hochablaßwehres und der folgenden Überschwemmung großer Teile der Stadt Augsburg durch den Lech. Bis zu 57 Stunden ununterbrochen im Dienst fanden viele Rot-Kreuz-Kolonnenmitglieder offensichtlich Freude an der Arbeit auf, am und im Wasser, bildeten die Keimzelle für einen neuzeitlichen, allumfassenden Wasserrettungsdienst an Lech und Wertach und später im ganzen bayerischen Schwaben.

Nach dem ersten Weltkrieg sind die hier und im übrigen Bayern bestehenden Rot-Kreuz-Wasserrettungsdienste so weit gediehen, daß der Erlaß einer eigenen Dienstordnung sinnvoll und notwendig erscheint, der Landesverband Bayern des Roten Kreuzes für die im Wasserrettungsdienst tätigen Sanitäter 1923 ein eigenes, dem heutigen Emblem sehr ähnliches Dienstabzeichen schafft.

Auch hierzu einige schlaglichtartige Informationen: Auf einer Rot-Kreuz-Tagung am 14./15.7.1930 in Berlin wird berichtet, daß 1928 im Rhein 489 Menschen ertrunken sind, andererseits DRK-Wasserrettungsdienste in Offenbach, Frankfurt/Main, Wiesbaden, Koblenz, Köln, Düsseldorf und vielen anderen Städten an Rhein und Main bestanden. Auf dem Main überwacht im übrigen die Sanitätskolonne Frankfurt/Main u.a. mit einem Motorrettungsboot bereits am 11.8.1918 eine Bootsregatta. Vierzehn Tage später wird ein Schwimmwettbewerb abgesichert und ein Schauschwimmen von Rettungsschwimmern durchgeführt. Die Rettungsschwimmer sichern außerdem schon in den frühen zwanziger Jahren den ständig wachsenden Badebetrieb am Main im Frankfurter Raum.

Für 1934 registriert das Deutsche Rote Kreuz 87 Motorrettungsboote im Einsatz bei den größeren, örtlichen Wasserrettungsdiensten. Und für 1935 werden dem Internationalen Roten Kreuz 295 durchgeführte Hochwassereinsätze gemeldet sowie 15.440 Rettungen und Hilfeleistungen im Wasser.

Willkommene Helfer im Kampf um den Ertrinkungstod

Sehr häufig geschah es im übrigen auch, daß sich die Mitglieder der Rot-Kreuz-Sanitätskolonnen auf die Erste-Hilfe-Leistung in öffentlichen Bädern und an Freibadeplätzen beschränkten, die Überwachung des Badebetriebs, die Hilfeleistungen im Wasser, die Wasserrettung sowie die Wiederbelebung Ertrunkener den Kameraden des Wasserrettungsdienstes des Deutschen Arbeiter-Sport-Bundes (hervorgegangen aus dem Arbeiter-Schwimmverein), der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft oder den bereits erwähnten Rettungsdiensten von (Berliner) Wassersportvereinen überließen. Der Bekämpfung des Ertrinkungstodes verschrieben sich im Lauf der Zeit im deutschen Sprachraum nämlich auch viele andere Organisationen mit mehr oder weniger großem Erfolg und mehr oder weniger langer zeitlicher Existenz. 

Neben dem Roten Kreuz sah es z.B. der 1886 gegründete Deutsche Schwimmverband (DSV) mit als seine Aufgabe an, im Rahmen des Schwimmsports den Rettungsgedanken zu pflegen. Aber erst 1912 entstand aus der Idee eine Organisation, gründeten der Heidelberger Walter Mang und der Greifswalder Student E. Brunner die "Lebens-Rettungs-Gesellschaft DSV", die nur leider keinen langen Bestand hatte.
Als jedoch am 28. Juli 1912 die Landungsbrücke des Ostseebades Binz auf Rügen einstürzte und 17 Menschen den Tod im Wasser fanden, erfolgte der Anstoß zur Gründung einer "Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft" (DLRG) in Leipzig und zwar am 19. Oktober 1913. Bei der Gründung der bald wie das Rote Kreuz ebenfalls im ganzen deutschen Reichsgebiet tätigen DLRG wurde insbesondere auf die Erfahrungen der in England wirkenden Rettungsorganisationen Royal Humane Society aufgebaut. Die als Ergänzung zu den gleichlaufenden Bestrebungen des Roten Kreuzes hochwillkommene Arbeit der neuen Rettungsgesellschaft lief recht verheissungsvoll an. Leider wurde sie aber durch den ersten Weltkrieg, der auch die Rot-Kreuz-Wasserwehren nachhaltig behinderte, schnell wieder unterbrochen.

Die Wiedergeburt der DLRG erfolgte am 10. Januar 1925 in Berlin. Die folgende Tätigkeit der Wasserrettungsorganisation erstreckte sich jedoch in erster Linie auf die Ausbildung von Rettungsschwimmern und die Errichtung von Wasserrettungsstationen. Die Besatzungen stellten meistens die örtlichen Schwimmvereine und Angehörigen des Roten Kreuzes, die häufig zugleich Mitglieder der DLRG waren. Die Ausbildung von Schwimmern, die unbedingt mit zu den Aufgaben einer Rettungsgesellschaft gehört hätte, überließ man jedoch rund dreißig Jahre den Schwimmvereinen, Schulen und Schwimmeistern.

Der Wasserrettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes, hervorgegangen aus den Arbeiter-Schwimmvereinen, betrachtete die Überwachung des Bade- und Wassersportbetriebs wie die meisten DRK-Wasserrettungseinheiten dagegen von Anfang an als eine dringende, hauptsächliche Aufgabe. Der Arbeiter-Wasserrettungsdienst (AWRD) wurde 1933 aus politischen Gründen verboten, so daß sich über ihn auch nur wenige Quellen finden. Immerhin sind jedoch für die Zeit von 1928 bis 1933 4.470 Lebensrettungen und 23.516 Erste-Hilfe-Leistungen registriert, was auf eine sehr große Aktivität dieser Organisation schließen läßt.

Mit der Machtergreifung des Nationalsozialismus im Jahre 1933 war im übrigen nicht nur ein Verbot des AWRD verbunden, sondern mitunter auch ein Stagnieren der DLRG- und Rot-Kreuz-Arbeit auf dem Sektor des Wasserrettungsdienstes. Die leitenden Persönlichkeiten und Mitarbeiter wurden häufig anderweitig (Luftschutz, RAD, Wehrmacht usw.) sehr in Anspruch genommen, wodurch Ausbau und Arbeit der Organisationen häufig litt. Das im NS-Staat geltende Führerprinzip führte jedoch andererseits auch zur Straffung der Organisationen und später zu deren Zusammenschluß unter Leitung des Deutschen Roten Kreuzes.

Der Kriegsausbruch rief dann den größten Teil der Rettungsschwimmer an die Front und die Rot-Kreuz-Leute zu den Kriegs-Sanitätsdiensten. Es konnten also kaum noch Rettungswachen an Badestränden und -plätzen unterhalten werden. Lediglich die Ausbildungsarbeit an den Schulen lief in etwa weiter. Das Jahr 1945 brachte schließlich das vorläufige Ende aller Wasserrettungsdienste in Deutschland.

Nach einem Bericht von Fritz Aumann